Didaktisches Modell zur historisch-kritischen Filmanalyse

Den Filmbildungspaketen des NLQ liegt ein Modell der Filmanalyse zugrunde, das auf Helmut Korte zurückgeht. In seinem Buch Einführung in die systematische Filmanalyse unterscheidet Korte vier Analyseebenen, die er Realitätsebenen nennt.

 

 

Bezugsrealität: Die Bezugsrealität umfasst die realen historischen und politischen Ereignisse, die der Film darstellt oder thematisiert und die man fachwissenschaftlich durch Quellen und Darstellungen rekonstruieren kann.

Filmrealität: Unter diesem Stichpunkt erfolgt die Untersuchung des filmischen Erzählens, der Dramaturgie, der handelnden Personen, der Handlungsorte, der Musik, der Kameraführung etc., kurzum aller im Film selbst enthaltenen Daten, Informationen und Aussagen.

Bedingungsrealität: Unter Bedingungsrealität versteht man alle Faktoren, die die Entstehung des Filmes beeinflusst haben. Hier fragt man also, warum ein bestimmter Inhalt in einer historischen Situation filmisch aktualisiert bzw. festgehalten wurde. Warum war das Thema des Filmes für die Zeitgenossen interessant? Wer war der Regisseur und welche finanziellen und technischen Mittel standen ihm zur Verfügung? In welcher Beziehung steht der Film zu anderen Filmen und kulturellen Hervorbringungen seiner Zeit?

Wirkungsrealität: Die Publikumsreaktionen auf den Film, einschließlich der Einsatzorte, der Laufzeiten des Films und der erzielten Einnahmen werden unter den Begriff "Wirkungsrealität" gefasst. Unter dieser Rubrik kann man auch die heutige Reaktion der Schülerinnen und Schüler auf den Film thematisieren, wenn man deutlich machen möchte, dass die Rezeption eines Filmes sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Diese Systematik ist ein Idealmodell von vier in der Analysepraxis sich vielfach überschneidenden Untersuchungsbereichen. Selbstverständlich müssen nicht in jedem Film alle Realitätsebenen gleichermaßen behandelt werden. Aus didaktischen Gründen ist es trotzdem sinnvoll, diese Analyseebenen immer wieder spiralcurricular einzuüben, um den Schülerinnen und Schülern methodische Sicherheit zu geben. Sie sollten verschiedene Realitätsebenen miteinander in Bezug setzen können, um zu einer reflektiert-kritischen Haltung gegenüber Filmen zu gelangen.

Letzte Änderung: 04.08.2020

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